Leserbrief zum Artikel "Schwimmbad in Wendelstein"
Leserbrief von Benjamin Waldmann, Fraktionsvorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion, zum Artikel “Schwimmbad in Wendelstein” (Schwabacher Tagblatt, 1.10.2011), erschienen in der Ausgabe vom 8.10.2011.
Bürgermeister Werner Langhans berichtete dem Gemeinderat in seiner letzten Sitzung am Donnerstag der vergangenen Woche, dass er Landrat Herbert Eckstein anlässlich seiner Wiederwahl nicht nur gratuliert, sondern gleich ein Angebot mit angehängt habe, welches die Errichtung eines kreiseigenen Hallenbades in Wendelstein zum Gegenstand hat. Was zunächst für die Gemeinderäte als scherzhafter Anhang in einer Gratulation klang, wurde am Wochenende in einem Zeitungsbericht des Schwabacher Tagblattes dann verkündet.
Ohne jegliche vorherige Absprache mit dem Gemeinderat, bot Langhans dem Landkreis ein Grundstück, Beiträge zu bislang völlig ungekannten Investitionen in Höhe von 25 % und eine Beteiligung am laufenden Unterhalt an – ein insgesamt inakzeptabler Vorgang.
Seit Jahrzehnten stand die Forderung nach einem Bad in Wendelstein immer wieder im Raum. Der Gemeinderat ist bislang über alle Fraktionsgrenzen hinweg standhaft geblieben. Man war sich einig, dass unwägbare Investitionen in derartige Einrichtungen und vor allem deren Folgekosten, sich nicht mit der finanziellen Konsolidierung der Gemeindefinanzen vertragen.
Ungeachtet der allgemein bekannten Tatsache, dass öffentliche Bäder, und Hallenbäder im Besonderen, finanzielle Fässer ohne Boden sind, verjubelt der Bürgermeister fast rauschhaft die Rücklagen der Gemeinde. Und dies in einer Zeit, in der Gemeinden und Städte rings um uns herum ihre Bäder schließen oder nur als hochsubventionierte Zuschussbetriebe am Leben erhalten.
Bei anstehenden Investitionen in Millionenhöhe, wie den Anbau an die Hauptschule, die Sanierung der Schulturnhalle und der Turnhalle in Kleinschwarzenlohe, dem Zuschuss zum Landkreisgymnasium oder der Beteiligung an der Sportveranstaltungshalle am Gymnasium, ist selbst die reiche Gemeinde Wendelstein am Rande ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit.
Es drängt sich immer mehr der Eindruck auf, dass der Bürgermeister wichtige Fragen der gemeindlichen Politik nicht richtig einschätzt. Die SPD-Fraktion stellt daher klar, dass sie eine solche finanzielle Harakiri Aktion nicht mittragen und weiter dafür kämpfen wird, die gemeindlichen Rücklagen nicht ohne Not zu verschleudern.
Für die SPD Marktgemeinderatsfraktion
Benjamin Waldmann
Fraktionsvorsitzender
Reaktion auf den Leserbrief zum Artikel "Schwimmbad in Wendelstein"
Die Fraktionsvorsitzende der CSU-Gemeinderatsfraktion, Cornelia Griesbeck, antwortet auf den Leserbrief von benjamin Waldmann (Schwabacher Tagblatt, 10.10.2011):
„SPD steht weiter auf der Bremse“
Die SPD-Fraktion sagt mal wieder nein, bevor sie die Sache geprüft hat. In Wendelstein werden durch das Gymnasium zukünftig fast doppelt so viele Schüler zur Schule gehen als bisher. Schwimmunterricht steht aus gutem Grund im Lehrplan. Der technische Fortschritt am Bau und im Energiebereich hat die Unterhaltskosten für Hallenbäder stark verringert. Diesen Fortschritt sieht man gerade auch am neuen Gymnasium, das weitgehend mit Erdwärme beheizt wird.
Deshalb ist es geboten zu prüfen, ob die veränderte Schullandschaft ein Schulschwimmbad notwendig macht. Außerhalb der Unterrichtszeiten stünde das Hallenbad der gesamten Bevölkerung offen. Schwimmen ist ein sehr gesundheitsförderlicher Sport, der bis ins hohe Alter betrieben werden kann.
Deshalb, liebe Kollegen aus dem Gemeinderat, lasst es uns doch erstmal prüfen, was das finanzstarke Wendelstein zu einem solchen Vorhaben beitragen kann, bevor ihr von vorne herein Nein sagt. Unser Bürgermeister Werner Langhans hat trotz Finanzkrise und zahlreicher notwendiger Investitionen die Rücklagen jedes Jahr erhöht. Die Bevölkerung hat nichts davon, wenn wir dieses Geld nur ungenutzt in einen Sparstrumpf stecken.
Cornelia Griesbeck, CSU-Fraktionsvorsitzende Wendelstein
